Egerländer Gmoi Nürnberg

Vereinsgschichte

1922

gründeten Egerländer,  

die teilweise schon seit Jahren in Nürnberg lebten und arbeiteten,

einen Verein

um Bräuche, Mundart, Musik, Tänze und Liedgut ihrer Heimat zu pflegen, gesellig beisammen zu sein,

Feste zu feiern und sich gegenseitig zu unterstützen:

die Eghalanda  Gmoi z`Nürnberg

 

1944

zwangen die schwierigen Umstände des Zweiten Weltkriegs die Eghalanda Gmoi z`Nürnberg ihre Arbeit vorerst einzustellen.

1946

versammelten sich im Frühling sieben alte Gmoimitglieder um den Wiederaufbau der Gmoi vorzubereiten. Es kamen viele Heimatvertriebene aus dem Egerland im Raum Nürnberg an und suchten bald Kontakt zur Eghalanda Gmoi z`Nürnberg um in dieser Gemeinschaft wieder ein bisschen Heimat zu finden.

1948

Es bedurften in der Nachkriegszeit alle Vereine einer Lizenzierung, um die Vereinstätigkeit wieder aufnehmen zu dürfen. Am 11.05.1948 wurde der Eghalanda Gmoi z`Nürnberg vom Städt. Polizeipräsidium diese Lizenz erteilt.                                                                                                                                                 

1965

und in den Jahren danach, kamen aus dem Egerland viele sogenannte „Spätaussiedler“, die nach dem 2.Weltkrieg in der Tschechoslowakei bleiben mussten, z.B. weil sie als Spezialarbeitskräfte gebraucht wurden, nach Nürnberg. Manche von ihnen schlossen sich der Egerländer Gmoi Nürnberg an.

2020

Schon seit einigen Jahren führt die Eghalanda Gmoi z`Nürnberg den Untertitel „Fränkisch-Egerländer Kulturkreis“, denn viele waschechte Franken gehören zur Gmoi und die Kinder und Kindeskinder der gebürtigen Egerländer sind in Franken zu Hause. Ihre geistige Heimat liegt aber auch im Egerland und verbindet sie mit der Eghalanda Gmoi z`Nürnberg. Und, wie vor fast 100 Jahren, wird noch immer gesungen, getanzt, musiziert, gefeiert, …

 

Hier ein etwas ausführlicherer Einblick in die Geschichte der Egerländer Gmoi Nürnberg, denn so ein alter Verein  hat ja schon wahrlich viel erlebt!

Davon zeugt z.B. die handschriftlich verfasste Chronik, von Heinrich Schöner zum 15jährigen Gmoijubiläum, im Jahre 1937. Er schreibt darin:     

Die Geburtsstunde der Gmoi                                                                                                                           

Viele Landsleute aus unserer lieben Egerländer Heimat haben sich schon vor Jahrzehnten in der einst so schönen und altehrwürdigen Stadt Nürnberg  niedergelassen, sie haben hier Arbeit und Brot gefunden und sich in die ortsansässige Bevölkerung als anständige und strebsame Menschen eingegliedert. Aber damit allein waren sie nicht zufrieden, denn sie wollten ihre landsmannschaftliche Zusammengehörigkeit auch nach außen dokumentieren, sie wollten der Heimat Sitte und Brauch pflegen und fördern, sie wollten die Feste der Heimat auch in der Fremde feiern und gestalten, sie wollten eine große Familie sein. Mehr und mehr wurde der Wunsch laut und der Wille immer stärker und mächtiger, einen eigenen Heimatverein zu gründen.

Wenn auch vordem unsere Landsleute und Egerländer schon im bereits bestandenen „Österreichischen Volksbund“ eine vorläufige Heimstätte gefunden hatten, so drängten sie doch von ihrer gewissen Abhängigkeit innerhalb dieses Bundes zu einer eigenen Vereinsselbständigkeit. In diese Zeit hinein fielen bereits die ersten Gründungen von Hoimat Gmoin in anderen Städten und es dauerte nicht mehr lange, bis am 7. Mai 1922 in der Restauration „Maffeiplatz“ Nürnberg die „Eghalanda Gmoi“ als ein Verein heimattreuer Egerländer, Nürnberg gegründet und aus der Taufe gehoben wurde. Und mit dieser Geburtsstunde der „Eghalanda Gmoi“ begann eine Tätigkeit die sich zum Segen der Heimat durch eine systematische, bewunderungswürdige Aufbauarbeit, durch Hingabe, Einsatzbereitschaft und Treue eines jeden Einzelnen entwickelte und von Erfolg zu Erfolg eilte.

Nach einem einmütigen Bekenntnis zur Heimat, dem Gelöbnis zu geselliger, kameradschaftlicher Zusammenarbeit, schritt man in dieser konstituierenden Versammlung auf einstimmigen Wunsch aller Anwesenden zur Wahl einer ordentlichen Gesamtverwaltung.                                       

Johann Junker  wurde 1922 zum ersten Vorstand gewählt (geb. 1873 in Bleistadt / Kreis Falkenau) von Beruf Werkmeister

 Die Gewählten haben nach Worten des Dankes für  das ihnen geschenkte Vertrauen die jeweilige Funktion angenommen und damit begann die Arbeit der Eghalanda Gmoi Nürnberg. …. Die Aufnahmegebühr wurde mit Mk 2,- und der Monatsbeitrag mit Mk 3,- vorgeschlagen und einstimmig angenommen. …. Die „Egerer Landjugend“ hat sich am Nürnberger Trachtenfest der „Gamskofler“ rege beteiligt und es wird  ihr in einem herzlich gehaltenen Schreiben durch den Veranstalter Dank und Anerkennung ausgesprochen. …. Interessant ist es, der Nachwelt einige Zahlen aus den schlimmsten Inflationstagen von 1923 zu zeigen und wir wollen uns nur auf einige Bespiele beschränken: Mitglieds-Monatsbeitrag – Mk 250,- / Ausgaben für ein Tanzkränzchen Mk 600 000,- / Eintrittspreis für dieses Kränzchen pro Person Mk 3 000,- / Kassenstand am 19.12.1923 MK 1 754 948 516 275,- Die Zahlen klettern steil in die Höhe und für manchen Jungen mögen sie gerade unwahrscheinlich erscheinen, aber wir Alten denken mit Grauen zurück an jene bittere Zeit. ….. Die Not der Zeit drang über die Grenzen des Reiches hinaus und eine überaus hochherzige Spende erreicht uns gegen Jahresende, die Gmoi Wien überweist uns für notleidende Gmoimitglieder 470 000,- öst. Kronen, für welchen Betrag Mehl gekauft und zum Weihnachtsfest an Notleidende und Arbeitslose der Gmoi verteilt wird.. …. Waren die Zeiten auch ernst, hat doch Eghalanda Glaube und Hoffnung auch diese Zeitperiode überdauert und in der Silvesternacht rief der eine dem andern zu „Glückauf 1924“ ..... Im August wurde eine eigene Vereinsbibliothek eingerichtet, die durch fortgesetzte Spenden aus Mitgliederkreisen und Neuanschaffungen aus eigenen Mitteln allmählich auf fast 400 Bände angewachsen ist und wovon die Mouhmen und Vettan und insbesondere die Jugend ausgiebig als Leser Gebrauch machten. Ein kleiner Beweis wie auch von der Vereinsleitung für eine kulturelle Bildung und schöngeistige Anregung vieles getan wurde. Die Gründung einer Gesangs- und Theaterabteilung ist ebenfalls ein Kind des Vereinsjahres 1924. …… 1925 wird die Gmoibücherei über den Verlag Kosmos um 10 Bände bereichert. …. Bürgerschuldirektor Hoffmann, Karlsbad, der immer für unsere Gmoi etwas übrig hat, sendet der Bibliothek 26 Bücher und Theaterstücke im Werte von 200 Kronen. ….                                     

Vieles gäbe es noch von den Anfangsjahren der Egerländer Gmoi in Nürnberg aus dieser Chronik zu berichten, aber das würde vielleicht etwas zu umfangreich werden. Nur noch ein kleiner Auszug daraus, der  dem Jahr 1930 zugeschrieben ist:

…. Und noch eins muss mit Nachdruck und mit Rücksicht auf die zeitliche, damalige Entwicklung und zur allerhöchsten Ehre aller Mouhmen und Verttan geschrieben werden: In der Eghalanda Gmoi wurde niemals und nimmer Politik getrieben; ihre Ziele und Bestrebungen lagen auf einer ganz anderen Ebene, sie galten der Heimat, der Pflege und Förderung von Eghalanda Sitte und Brauchtum und von diesem Ziel wurde auch nicht ein Zoll abgewichen.


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